ARBEIT im Wandel – der ZEIT

Früher war alles besser. 

Klare Aufgaben, klare Strukturen, klare Einsatzzeiten. Klarheit aller Orten. Eine Wohlfühlwelt war das wohl, wenn wir unseren Vätern und Großvätern glauben dürfen. Oder?!

Zumindest wurde für einen gesorgt. Der Broterwerb war in den landwirtschaftlich und industriell geprägten Arbeitsfeldern zwar mühselig, aber, wer einen Job hatte war einigermaßen sicher. Solange es tat, wie ihm geheißen wurde jedenfalls. Massenentlassungen aufgrund wirtschaftlicher Schieflagen gab es nicht. Wachstum aller Orten. Da musste man schon arg die Zukunft verschlafen und die Zeichen der Zeit ignorieren, um ein Unternehmen zu ruinieren.

Und allzu weit hatte man es auch nicht. Meist waren Arbeits- und Lebensort identisch. Pendeln gab es kaum – wie auch. Man lief zur Arbeit, bestenfalls fuhr man mit dem Rad oder Bus fahren. Individualverkehr – Fehlanzeige. Pendeln zur Arbeit, unsere Zeit im Stau oder im ÖPNV verbringen – gab es nicht.

Und – damals hatten wir auch keine PCs und mithin keine Wissensarbeit. Ein paar wenige arbeiteten zwar mit ihrem Kopf, waren dabei aber auch immer auf den Kontakt zu den anderen angewiesen, die ihren Körper einsetzen, um etwas Neues zu erschaffen.

Diese guten alten Zeiten sind heute vorbei. 

Heute arbeiten über 40 % von „uns“ vornehmlich mit ihrem Kopf – und dem Computer. „Wissensarbeit“ ist das dominante Modell. Ein Modell, das heute, mit der wachsenden Zahl an mobilen Computern zu mehr Flexibilität einlädt. Oder ist dies eine Last weil wir verlernt haben uns abzugrenzen? Weil wir verzweifelt versuchen auch mit dem Kopf Akkord zu arbeiten – „always busy“, „always stressed“?

Mit diesem Computer, diesem immer intelligenteren Ding, diesem Kommunikationsbeschleuniger, können wir heute „always on“ sein – und damit „always working“.

Tun wir uns damit etwas Gutes? Wir sind überrollt worden von der Geschwindigkeit der Veränderung von Kommunikation. Wir lesen keine Zeitung mehr, sondern Online-Nachrichten. Diese ändern sich statt früher täglich heute minütlich und bringen immer wieder etwas anderes in den Fokus. Wir reden immer weniger und nehmen immer weniger die Emotionen des anderen wahr. Uns fehlt die Zeit das Besprochene zu reflektieren. Stattdessen schreiben wir e-mails und chatten. Wir verteilen Aufgaben, wir diskutieren und verrennen uns in Formulierungen. Wir schreiben elektronische Krankenakten und sind auch damit doch längst auch Teil der kranken elektronischen Akten.

Statt den, durch Digitalisierung und Technisierung, erworbenen Zuwachs an Produktivität und Leistung dafür zu nutzen zu überdenken, was wir tun, statt neue Ideen zu entwickeln, statt uns und unsere Unternehmen „nach vorne  zu bringen“, hetzen wir zunehmend hinterher. Statt mehr Leben zu leben, rennen wir nur noch schneller – und haben am Ende doch nichts davon. Unser Invest an ArbeitsZeit in den letzten 100 Jahren ist geringer geworden – ist es unser Invest an Lebensenergie auch?

Die Digitalisierung schreitet ungebremst voran. Nein – das stimmt nicht – sie nimmt weiter Fahrt auf. Moores Law gilt weiterhin und die technologische Entwicklung überschreitet langsam aber sicher unsere Fähigkeit zu lernen und mit der neuen Technik vollumfänglich umzugehen. Die gute Nachricht ist. Es braucht uns auch immer weniger. Routineaufgaben können an vielen Stellen heute schon mindestens genauso gut von Computern und Robotern übernommen werden. Nicht nur in der Produktion, auch bei Recherche, Assistenzaufgaben, dem Hausbau, der Logistik oder beispielsweise auch in der Pflege.

Doch – wir wollen arbeiten, wir wollen werken – wir brauchen das Gefühl der Wirksamkeit. Weder unser Kopf noch unser Körper wollen stillstehen, wir haben die letzten Jahrtausende damit verbracht unseren Lebensunterhalt zu erjagen, ersammeln und erarbeiten. Wir können nicht einfach aufhören damit – selbst wenn wir es könnten. Die 0 Stunden Wochenarbeitszeit wäre für viele – auch wenn die Technik in einigen Bereichen bald ermöglicht oder einfach zum Faktum erklärt – ein Grauen.

Was können wir also tun? 

Wir können beginnen uns unsere Nischen zu suchen. Die Bereiche in denen wir – Technik und Digitalisierung hin oder her – Zeit mit für uns wertvollen Dingen verbringen können. Mit Zwischenmenschlichkeit, mit bedeutsamem und – vielleicht vor allem – mit Neuem, mit Innovation und mit Ideenfindung. Helfen würde uns Technik und Arbeit weniger als Belastung zu sehen, sondern, in der Nutzung all der neuen Möglichkeiten, als Instrument und WERKzeug unserer Selbstwirksamkeit.

Dann kann es vielen von uns gelingen ArbeitsZeit und Invest an Lebensenergie in eine größere Balance zu bringen. Das wäre dann mal eine positive Entwicklung.

Natürlich weiss niemand, was genau uns in der Zukunft erwartet, und wann das geschilderte Fakt und nicht nur Vorausahnung sein wird. Doch die Anzeichen sind sichtbar.

Wer mehr dazu erfahren möchte, den lade ich ein sich mit den ArbeitsVisionen2025 zu befassen. Auf der website, im kostenlosen ebook oder – mit der Option sich über 200 Reflexionsfragen zu stellen – im Buch. Die Zukunft kommt – und sie ist schneller als wir denken.

 

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade auf XING Spielraum zum Thema “#Arbeitszeit”.

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