electric-car-513627_1920

 

 

 

Joshua Brown war Anfang Mai Opfer eines tödlichen Verkehrsunfalls, der es “unter normalen Umständen” niemals geschafft hätte, weiter als in die Lokalpresse zu kommen. Und doch beschäftigt der Unfall die Presse nicht nur in den USA, wo der Unfall geschah, sondern auch hier bei uns in Deutschland.

Joshua Brown ist mit seinem Tesla S unter einen LKW-Anhänger gefahren. Ein Unfallgeschehen, wie es ähnlich allein in der letzten Woche auf der A6 bei zwei anderen Tragödien 3 weitere Menschenleben gekostet hat. Allerdings spricht kaum jemand über diese drei Toten.

Joshua Browns Unfall ist so bemerkenswert, weil er seinem Auto mehr vertraute, als es wohl angeraten gewesen wäre. Ähnlich wie wir oft unseren Fahrkünsten mehr vertrauen als es angeraten wäre. Sein Vertrauen in die Technik hat ihn das Leben gekostet. So zumindest kann man es derzeit an vielen Stellen lesen. Gerade bei uns geht die Kritik an Tesla, die das teilautonome Fahren so sehr fördern und propagieren, wie sonst noch kein Automobilhersteller, sehr stark in diese Richtung. Doch andererseits war es doch wahrscheinlich eher seine Unvorsichtigkeit, die auch diesen, wie 85% der Unfälle im “normalen” Straßenverkehr, verursacht hat.

Der Stalin Effekt

Stalin soll einmal gesagt haben: “Der Tod eines Menschen ist eine Tragödie, der Tod tausender ist Statistik.” Die derzeit so intensiv geführte Diskussion spiegelt dies für mich wider.

Doch ein Blick in genau diese Statistik spricht für mich auch ein anderes Bild. Im Grunde wäre es doch für Tesla schon ein Erfolg, wenn teilautonomes Fahren, mindestens so sicher wäre, wie ein menschlicher Fahrer. Das würde bedeuten, dass lt. der US-amerikanischen Verkehrsstatistik sich der erste Unfall bereits vor ca. 40 Millionen (40.000.000) Meilen (ca. 64 Mio km) ereignet hätte. Tatsächlich waren es 130 Mio Meilen, die ohne tödlichen Unfall teilautonom gefahren wurden. Statistisch müsste längst zusätzlich 1/3 Mensch gestorben sein.

Was die Statistik zudem nicht erfasst sind die vielen Unfälle, die durch die Unterstützung der Technik vermieden wurden.

Und – und das ist der statisch relevanteste Kritikpunkt an der gesamten Diskussion: Die Zahlen sind bei weitem nicht repräsentativ.

Aber – die Diskussion ist repräsentativ!

Die sich derzeit um diesen Unfall weiter aufbauende Diskussion ist dagegen leider insofern absolut repräsentativ, als sie Argumente anführt, wie ich sie analog im Kontext der Digitalen Transformation, Arbeiten 4.0, Industrie 4.0 wahrnehme. Darin lese ich, manchmal sehr explizit und oftmals zwischen den Zeilen, ganz viel Angst vor der Technik, Angst vor der Veränderung und ganz viel zu Moral und Ethik. Wie im Kontext autonomes Fahren diskutiert wird, ob Maschinen entscheiden sollten, wie viele Opfer ein Unfallgeschehen hat (wer sagt eigentlich, dass ein Mensch “richtig” entscheidet, wenn er vor Schreck oder weil er Gas und Bremse verwechselt in eine Menschenmenge steuert), höre ich im Zusammenhang von Selbstorganisation und Selbstverantwortung, dass dies niemand will und kein “normaler Mitarbeiter” kann. Bei der Digitalisierung lese ich viel Angst vor Technik, die uns Arbeit wegnimmt und beim Thema Führung viel Angst vor Macht und Kontrollverlust.

Wir vergessen dabei, dass der Macht- und Kontrollverlust schon längst durch die Außenwelt ausgeübt wird. Wir vergessen, dass die Technik schon seit Anbeginn der Zeit immer neue Betätigungsfelder für uns schafft. Und wir vergessen, das Angst der wohl schlechteste Ratgeber überhaupt ist.

Zurück zur Statistik

Die Unternehmen, die mit weniger Angst und mehr Offenheit für Veränderung Arbeit gestalten, sind heute die Gewinner mit mehr Umsatz und einem stabileren Geschäftsumfeld. Sie haben zufriedenere Mitarbeiter, höhere Produktqualität und bringen mehr Innovation hervor.

Das sind die Tausende, die die Statistik ausmachen.

Sicher ist der ultimative Glaube an die Technik weiterhin und auf absehbare Zeit fehl am Platz,  ABER Technik verbessert unsere Leistungsfähigkeit im (Arbeits-)leben und im Kontext Automobil auch deutlich unsere Überlebenschance.

Doch was ist mit dem einen, der Tragödie?

Der Tod Joshua Browns ist ohne Frage eine Tragödie für seine Angehörigen und sein Umfeld. Diese haben, aus meiner persönlichen Erfahrung, mein volles Mitgefühl, auch wenn ich hier wenig daran tun kann, ihnen bei der Überwindung des Geschehenen zur Seite zu stehen.

Die Tragödie, die wir täglich in der Wirtschaft und an Millionen von Arbeitsplätzen erleben, weil Potenziale verschwendet, Hemmnisse auf- statt abgebaut werden und unsere Wirtschaftsleistung im einzelnen, wie im gesamten dadurch weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, bekommt mein Mitgefühl NICHT. Hier kann ich nur mit Unverständnis und teilweise auch Wut darauf reagieren, wie wenig sinn- und zielführend wir, die “Krone der Schöpfung”, hier miteinander umgehen und wie verblendet wir argumentieren. Noch selten jedenfalls, werden Erwachsene erwachsen behandelt. Eher wird erwartet, dass die Zahnräder im Getriebe des Unternehmens reibungslos funktionieren.

Dafür aber kann ich (selbst) etwas tun. Ich kann mich dafür einsetzen, dass das Verständnis für ein Umdenken und eine Selbstreflexion langsam steigt. Ich kann helfen, die enormen Reibungsverluste zu minimieren und so unterstützen entstehen zu lassen, was ich als optimale Zusammenarbeit bezeichne. Was, nebenbei bemerkt der Grund für mein diesjähriges “Sommerloch Special” Angebot ist. Aber vielleicht konnte ich ja auch schon hier dazu anregen, über die tieferen Beweggründe für das eigene Handeln und Argumentieren nachzudenken.

Dann hätte der Tod Joshua Browns vielleicht einen ganz unerwarteten und in gewisser Weise auch ein wenig positiven Effekt.

P.S: Wenn Sie in einem Impulsdialog gemeinsam mit mir reflektieren möchten und gleichzeitig durch Bewegung Angst abbauen (oder auch frische Luft genießen) wollen, so sprechen Sie mich auf ein Impulsge(h)spräch an.   

Leave a comment