Im Grunde ist es verblüffend, wie einfach wir alle (und unsere Organisationen) strukturiert sind. Aus dieser alten Erkenntnis heraus wurde (vermute ich) viele der heutigen Managementtechniken entwickelt. Sie bestimmen noch heute vielfach unser Handeln und unsere Zusammenarbeit.

Aus der Systemtheorie aber insbesondere auch aus dem Leben wissen wir, dass wir selbst und unsere Beziehungen zueinander unendliche Komplexität in sich tragen. Die, das zeigen die weiterhin oftmals wenig erfolgreichen Veränderungsinitiativen in Unternehmen, Schwierigkeit liegt darin, diese Komplexität zu erkennen und bestmöglich zu nutzen.

Aus fünf Beobachtungen über Menschen und Organisationen kann man erste hilfreiche Erkenntnisse identifizieren, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man einen wie auch immer gearteten, Veränderungsprozess bezüglicher der Zusammenarbeit starten möchte.

  1. Menschen agieren in dynamisch veränderlichen Netzwerken.
    Beziehungsstrukturen lassen sich nicht in Hierarchien abbilden. Auch persönliche Entscheidungen folgen keinen vordefinierten Prozessen, sondern entspringen der individuellen Kombination aus Ratio und Intuition und damit der Erfahrung, Wissen und Kompetenz, sowie mit einer gesunden Prise Menschengefühl. Jede intensivere zwischenmenschliche Interaktion stärkt oder schwächt das persönliche Netzwerk, zumeist ohne die Folgen absehen zu können.
  2. Soziale Interaktion ist komplex.
    Jeder Mensch in der Kombination seines Bewusstseins und Unterbewusstseins, seiner Persönlichkeit und seiner Emotionen ist in sich ein komplexes Wesen. Jede Kombination komplexer Strukturen erhöht die Komplexität der Gesamtstruktur. Gemeinsam sind wir (ein oft liebenswertes) Chaos, das imstande ist gemeinsam grandiose Dinge zu tun.
  3. Die Qualität der Beziehungen steuert die soziale Interaktion.
    Die Intensität und Qualität der Beziehungen beruht in hohem Maße auf der Intensität und Qualität der Zusammenarbeit. Diese wird stark durch die Art, Qualität und Quantität der Aufgaben und Rollen aller Beteiligten im Gesamtsystem mitbestimmt.
  4. Organisationen basieren auf der Interaktion aller Beteiligten.
    Beziehungen zwischen den an der Organisation mittelbar und vor allem unmittelbar Beteiligten bilden die operative Basis für jede Aktivität. Jedes Unternehmen lebt durch die Kommunikation mit seinem Umfeld und innerhalb der Strukturen. Sie ist Teil jeder Wertschöpfung und beinhaltet immer wieder neues Wissen, neue Erfahrungen und beeinflusst so das Arbeitsklima, die Kultur und die Arbeitsergebnisse.
  5. Organisationen sind lebendig und damit hinreichend instabil.
    Sie verändern sich stetig durch neue Impulse von außen, neue Mitarbeiter, angepasste Prozesse und neue Zielsetzungen. Sie sind damit Teil einer sich verändernden Welt in der Mitarbeiter dennoch immer auch Stabilität und Sicherheit suchen. Sie sind damit der sich stetig weiter bewegende Fels in der Brandung.

Erfolgreiche Veränderungsinitiativen schaffen in Organisationen intensive, stabile, Interaktion und Beziehungen, um in einem dynamischen Umfeld agil aktiv werden zu können. Auch wenn das Umfeld, und manchmal die Investoren, auf einen kurzfristigen Fokus der Geschäftstätigkeiten beharren, so lohnt es gerade in Bezug auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit langfristig zu denken und zu handeln.

5 Beobachtungen

Dazu einige Tipps für Führungskräfte und vor allem Personalmanager und Geschäftsführer. Aber auch als Otto-Normal-Mitarbeiter können Sie persönlich und für die Gesamtorganisation ihre Arbeitssituation damit aufwerten.

  1. Identifizieren und nutzen Sie aktiv die internen und externen Netzwerke in und mit denen Sie arbeiten.
    Denken Sie darüber nach, wer in Ihrem Umfeld welche Rolle spielt, wer wen kennt, wer besondere Fähigkeiten besitzt. Fragen Sie sich wer von Ihren Fähigkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen weiß und verbreiten Sie dieses Wissen aktiv. Bringen Sie, ganz nebenbei, Menschen zusammen, die gemeinsame Interessen haben und lassen Sie ihr Netzwerk und das der Organisation wachsen und sich verstärken.
  2. Betrachten Sie die Gesamtstruktur in der Sie arbeiten und identifizieren Sie die Haupteinflussnehmer und tatsächlichen Entscheider.
    Diese Multiplikatoren sind die wichtigsten Elemente im Netz und gewinnen immer dann zusätzlich an Bedeutung (für Sie), wenn es darum geht neue Ideen in die Organisation zu tragen.
  3. Wenn Sie in einer Führungsposition sind, regen Sie eine Selbstreflexion der Mitarbeiter und ihres Arbeitsumfeldes an.
    Nutzen Sie dazu Reflexionstools, Team- oder Peer-Coaching. Bei größeren Organisationen sollten Sie externe Hilfe in Anspruch nehmen, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Sie werden mit einem klareren Blick auf die Beziehungs- und Interaktionsmuster in der Organisation belohnt, erkennen Potenziale und Störfelder besser und erleichtern mit einfachen Maßnahmen ganz enorm die Zusammenarbeit und damit das Gesamtergebnis.
  4. Gerade als leitende Führungskraft sollten Sie ganz genau hinhören, welche Ideen und Impulse aus dem Netzwerk an ihr Ohr dringen.
    Hören Sie bewusst hin, achten Sie jedoch darauf nicht gezielt manipuliert zu werden. Je breiter aufgestellt ihr Netzwerk ist, desto klarer werden die Botschaften sein. Wenn die Botschaften mit ihrem Bauchgefühl übereinstimmen, gehen sie in den Dialog mit den Einflussnehmern im Netzwerk.
  5. Sorgen Sie für Stabilität und Sicherheit indem Sie bewusst kommunizieren und Zeichen setzen.
    Jeder gibt durch sein Verhalten und seine Haltung ständig Beispiel für die anderen. Seinen Sie sich ihrer Bedeutung für eine möglichst hemmungslose Zusammenarbeit bewusst – egal ob Sie für Sauberkeit der Toiletten sorgen oder die Vision und Zielsetzungen direkt beeinflussen dürfen.

Lassen Sie die Tipps doch einfach ein paar Tage wirken und hören Sie in sich hinein, welcher Tipp vielleicht zu Ihnen und Ihrem Umfeld passt. Probieren Sie aus, reden Sie, hören Sie hin.
Gute Zusammenarbeit ist eine Chance gemeinsam viel (mehr) zu erreichen.

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