Im Zusammenhang mit „neu zu gestaltenden Unternehmenskulturen“ wird immer wieder davon gesprochen, dass wir, um innovativer zu sein, mit der Digitalisierung besser umzugehen und Adaptionsfähigkeit im Allgemeinen zu verbessern und so weiter, unter anderem eine „neue Fehlerkultur“ brauchen.

 

Bullshit!!

 

Ja, auch ich habe einige Zeit von diesem neuen „Kulturzweig“ gesprochen – jedoch geht er leider vollständig an dem vorbei, worum es wirklich geht.

Punkt 1: Es geht um Irrtümer – nicht um Fehler.

Ein Irrtum ist eine Annahme, die sich als falsch herausstellt. Von Irrtümern lebt die Wissenschaft und Edison hätte die Glühbirne ohne Irrtümer kaum entwickeln können. Denn er hat (so unterstelle ich es diesem klugen Geist einfach mal) nicht aus Versehen eine unglaubliche Zahl an Materialien und Konstruktionsdetails ausprobiert. Er hat nachgedacht, sah eine Möglichkeit, hat getestet, festgestellt was nicht funktioniert. Er hat sein vorheriges Gedankenmodell verbessert und wieder getestet. Am Ende war Licht – nicht nur am Ende des Tunnels, sondern in tausenden Wohnungen und auf Straßen, in Fabrikhallen und überall, wo es sonst nur schwer hinzubekommen wäre. Zum Teil ist da auch heute noch Licht.

Etwas zu denken, was sich als falsch herausstellt – ist ein Irrtum. Etwas zu tun, von dem vorher klar war, dass es nicht funktionieren würde, ist ein Fehler. Sei es der Tippfehler, der sich sicherlich irgendwo auch in diesem Artikel findet, oder der Schlag mit dem Hammer auf den Daumen.. Nein – geht nicht – tut sogar weh. Hätte man sich halt auch schon denken können…..

Punkt 2: Effektivität

Ist man über einen Irrtum oder auch einen Fehler gestolpert so kommt Effektivität ins Spiel. Sowohl der Irrtum wieder der Fehler kann – neben dem was da schief gelaufen ist –  einen Effekt haben. Der Effekt beim Irrtum sollte sein, zu analysieren was schief gegangen ist und zu überdenken wie man zu dieser Annahme kam um es beim nächsten mal zumindest anders, vielleicht auch besser zu machen.

Der Effekt bei Fehler sollte sein, ihn ein weiteres mal zu vermeiden. Auch hier hilft eine Analyse.

Der Unterschied ist, wie wir daraus Lernen. Das Lernen aus dem Irrtum ist Ansporn weiter zu denken, weiter auszuprobieren, weiter zu versuchen etwas anders und besser, schneller, höher weiter zu machen.

Der Ansporn aus Fehlern ist ganz einfach ihn nicht zu wiederholen. Punkt. Nichts weiter.

Punkt 3: Lernen ist eine unbequeme Kulturtechnik!

Wenn wir also von einer neuen „Fehlerkultur“ sprechen sollten wir, aus meiner Sicht, eher den Begriff einer (neuen) Lernkultur verwenden. Wir brauchen den Respekt falsche Annahme einer Person nicht als einen Fehler der Persönlichkeit / des Menschen anzusehen. Wir brauchen die Offenheit und den Mut diese Irrtümer, mitsamt ihren Gedankenwerken auf denen sie beruhen, zu kommunizieren und für viele sichtbar zu machen – man könnte es Transparenz nennen. Und wir brauchen das Vertrauen und die Sicherheit, dass ein Irrtum uns nicht den Kopf kostet.

 

Eddie Obeng nennt solche Irrtümern die möglichst allen helfen zu lernen „smart failure“ – kluge Irrtümer. Diese klugen Irrtümer, die uns auf dem Weg zu neuen Entdeckungen am Ende des Tunnels viel öfter begegnen werden, als das das Licht, das uns aufgeht, diese gilt es zu erkennen und (fast) genauso wertzuschätzen und zu feiern, wie die Erfolge, die tatsächlich das Licht des Unternehmens heller strahlen lassen.

 

Diesen Lernraum als Kulturraum zu etablieren ist schwierig. Es ist oft eine langer Weg, der zu den oben genannten „Werten“ auch einen offenen Dialog dazu erfordert. Einen Versuch ist es aber immer wert – denn schlimmstenfalls ist der Ansatz ein Irrtum – nie ein Fehler.

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