Was soll man nur mit einem Unternehmensbereich machen, der sich über eine lange Zeit so klein und unbedeutend gemacht hat, dass viele kleine Unternehmen darauf verzichten und größere möglichst viel davon automatisieren oder outsourcen? Ein Bereich, dessen spürbarer Ergebnisbeitrag als gering wahrgenommen oder vollständig negiert wird. Ein Haufen Leute, die “was mit Menschen” machen wollen, statt echtes Business zu betreiben?

 

Da ist es eine interessante Fragestellung, die der DGFP in einer Blogparade (#DGFPc18) zum Thema macht: “Warum sollte HR auf einer Mission zum Mars dabei sein?!

 

Die Frage kann man aus zwei grundlegend unterschiedlichen Perspektiven angehen und beantworten. Die erste hat Douglas Adams im “Anhalter durch die Galaxis” aufgegriffen. Eine Trilogie in 5 Bänden und der zentralen Antwort “42”, in denen unter anderem ein paar Raumschiffe mit den Menschen gefüllt werden, denen auf der Erde niemand nachweint und die keinen Mehrwert liefern. Im Buch sind es Telefondesinfizierer, Werbefachleute, Gebrauchtwagenhändler Friseure.

 

Es gibt wohl eine Menge Menschen, die HR da mit auf die Liste schreiben würden… Naja….

 

Wie aber wäre die andere Perspektive? Wie wäre es, wenn man annehmen könnte und würde, dass HR sich nach all den Jahren (in denen lange auch schon über eine Neupositionierung diskutiert wurde) tatsächlich aufmacht, um sich “neu zu erfinden” und so seine Außenwahrnehmung signifikant zu verändern? Was müsste da im Gestaltungspaket alles drin sein und warum?

 

Gut, dass die DGFP der HR’lern noch ein paar Jahre einräumt, um mit in die Rakete zu kommen. Denn es wird Zeit brauchen, selbst wenn schon am beim Congress am 03. und 04. Mai das Ruder rumgerissen wird. 

 

Wie wäre es da Impulsen von einem (fiktiven) Vorbild?

“Guinan” eine Figur aus dem Star Trek Ablegern “The next Generation” und gespielt von Whoopi Goldberg sagt in einer Folge: “Human intuition and instinct are not always right, but they do make life interesting”.

   

Heute rennen viele Unternehmen der Digitalisierung hinterher (und manche noch davor weg). Dabei geht es im Kern nicht darum Digitaluhren in Form von Smartwatches zu einer Renaissance zu verhelfen. Es geht, um eine technologisch besser unterstütze Zusammenarbeit von Menschen untereinander und (auch) mit Maschinen.

 

Digitalisierung ist damit auch der Ausdruck für komplizierte Werkzeuge/Maschinen, die sich in unseren Händen in komplexe Systeme verwandeln. In der Digitalisierung steckt ganz zentral, ganz viel Kommunikation, Interaktion und vor allem “Mensch”. 

 

Geht man die Kette der Transformationen einen Schritt weiter, trifft man auf Themen wie Agilität und “new work” (man könnte auch sie auch mit “Stabilität, Sicherheit und Vertrauen”, “Vernetzung” oder “den Lebenswert betonenden Arbeitssituationen” beschreiben). Und auch hier geht es, oh Wunder, vornehmlich um Menschen. Noch einen Schritt in der Kette des durch die Digitalisierung Transformationen geht es darum, dass Investoren und Top-Entscheider sich selbst hinterfragen und Haltung und Verhalten verwandeln müssen (“müssen” hier ganz bewusst gewählt) weil sie (ganz allein) sonst all die notwendigen Entwicklungen verhindern. (Da wird klar, warum manche Unternehmen vor der Digitalisierung flüchten….)

Siehe auch: Eine unbequeme Wahrheit…

 

Was hat das jetzt mit dem Mars zu tun?

Um auf den Mars zu kommen, reicht es ja nun nicht ein Ticket zu buchen und ab geht die Post… jedenfalls zur Zeit noch nicht. 

Die Reise braucht Vorbereitung, Planung, und durchläuft dabei ganz unterschiedliche Phasen:

1) Die Vorbereitung (auf der Erde)

2) Der Weg zum Mars (in der Rakete)

3) Der Aufenthalt (auf dem Mars)

4) und, wer weiss, vielleicht auch die Rückkehr…

 

1) Die Vorbereitung

Wer auf dem Mars will, muss sich erst einmal selbst gut vorbereiten. Ein umfangreiches körperliches, mentales Training und maximale fachliche Kompetenz wird (aller Voraussicht nach) zum Pflichtprogramm gehören.

Doch ich sehe da, gerade für HR in einem starken Zusammenspiel mit den “übergeordneten Auftraggebern” (aka Management) ein paar Zusatzaufgaben:

  • Die strategische Grundsatzfrage muss geklärt sein: Warum wollen wir da überhaupt hin? Für wen wird die Reise unternommen (Wer ist der “Kunde”?) und was ist der Nutzen für den Kunden?
  • Welche Aufgaben kommen auf die Crew zu, welche Rollen gibt es, wer ist warum und wie, wofür geeignet? 
  • Jedes Kilo zählt, d.h. der (erwartete) Mehrwert jedes Teilnehmers muss betrachtet werden?
  • Und die wohl wichtigste Frage: Was, wenn gerade mal nichts nach Plan geht? Wer kann dann, die Crew beruhigen, wer kann Impulse einbringen, wer kann Ideen entwickeln das Problem zu lösen? Welche Rahmenbedingungen brauchen die Mutigen, die sich auf den Weg machen?

  

Die Klassiker, die jeder fortschrittliche HR’ler kennt sind “Vernetzung” und “Vertrauen” und damit auch Kommunikation über alle Grenzen hinweg. Gefühle von Sicherheit, Stabilität und die Bewusstheit der Verletzlichkeit aller Mitreisenden müssen allen vermittelt werden. Nur, wer verstanden hat, welche Belastung, physisch und psychisch eine solche Reise bedeutet, kann gezielt die (Hochleistungs-)Teams aufbauen, die man braucht. Denn – nochmal: Jedes Kilo zählt,.d.h. unnötiger Ballast bleibt zurück.

 

Wenn ich unter diesen Prämissen eine Marsmission planen müsste, ich würde 2 Dinge tun:

  1. Zuallerallerallererst würde ich noch einmal GANZ GENAU klären, womit ich es hier zu tun habe, Welche Grundlagen es gibt, welche Chancen, Potenziale und vor allem auch Probleme die Struktur / Organisation hat, die sich da aufmachen will.

und

  1. ich würde intensiv über einen Plan B nachdenken. Einen Plan, der es mir erlaubt auch auf der Reise die Interaktion und Kommunikation mit der Außenwelt in einer Weise sicherzustellen, dass externe Impulse jederzeit bis zu mir durchdringen. Denn sicher ist: Je mehr kluge, kompetenten Köpfe ich einbinden kann, um ein Problem zu lösen, je schneller ich den Austausch hinbekomme, desto besser ist das. Und manchmal hat der Klempner die beste Lösung, um das Hitzeschild zu flicken, und eben nicht der Luft – und Raumfahrtingenieur. Man weiß halt nie, welche Talente man braucht und wo sie schlummern. Aber man muss wissen, wie man diese Talente, egal wo sie sind, ansprechen kann.

 

Noch etwas würde ich mir klar machen – auch etwas, dass viele schon längst wissen: Eine Marsmission will zwar gut geplant werde, aber wichtiger als der Plan, wichtiger als die Steuerung der Mission ist welche Wirkung sie erzielt. Was sie dem Team, der Crew, den Marsbewohnern und den Menschen auf der Erde an Mehrwert liefert. Heute, in einer Zeit komplexer, dynamischen Entwicklungen zählt Wirkung mehr als Kontrolle. Ich gehe noch weiter: Das dritte große Thema neben der Zielsetzung (Business Modell) und der Orchestrierung der Zusammenarbeit und des Zusammenspiels der Kräfte (Managementmodell) ist eine nachhaltige Wirkung mit, auf und für die Menschen wohl der Bereich in dem HR am deutlichsten seinen Beitrag einbringen kann. 

Wer auf dem Weg zum Mars so lange unterwegs sein wird, wie wir Menschen (zumindest auf Basis der nächsten 2-3 absehbaren Technologien), der sollte im Kontext Nachhaltigkeit auch bedenken, wie er die Langlebigkeit der Crew und der Mission sicherstellen kann. Martin Reeves von der Boston Consulting Group hat sich intensiv angeschaut, was Unternehmen langfristig erfolgreich macht. Es sind sechs, vermeintliche einfach sicherzustellende Faktoren: Redundance, Diversity, Modularity, Adaptation, Prudence und Embeddedness. Wieder keine Überraschung dabei, ausser dass es immer gilt, mehrere der Faktoren auch tatsächlich zu leben und, dass sich dieses Verständnis tief in den Köpfen und Herzen der Crew und in der Art der Kollaboration wiederfinden muss.

 

2) Auf dem Weg

Sitzen erstmal alle in der Rakete wird es spannend. Losgelöst vom Schwerefeld der Erde geht es darum sich neu zurechtzufinden, sich weiter mental und körperlich fit zu halten, den Aufenthalt weiter vorzubereiten und die Enge dieses geschlossenen (Öko)Systems auszuhalten. Positive und negative Spannungen müssen beobachtet und rechtzeitig moderiert werden. Ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und der Blick für das große Ziel, das Big Picture der Reise, sind notwendig, um die internen Impulse mitzubekommen und zielgerichtet damit zu arbeiten. 

 

Immerhin ist der Ausgang der Reise ungewiss. Gefahren drohen jederzeit. Es muss gelernt und am eigenen Leib erfahren werden, wie man miteinander und mit dem Unbekannten auskommen kann, die Vielfalt (oder die Gleichförmigkeit) bestmöglich zu nutzen, zu improvisieren oder zu professionalisieren, gleichzeitig, beidhändig. Ambidextrie in vielfältiger Dimension ist Thema! Kompetenzen und Fähigkeiten müssen intern weiter verbreitet werden. Die Crew muss zusammenwachsen, eine eigene Kultur entstehen. Fachleute müssen Mini-Generalisten werden, die sich in der Abgeschiedenheit der Arbeiten auf dem Mars, auch mal selbst helfen können (und dürfen!). 

 

Und – last but not least – alle müssen darauf vorbereitet sein, sich an das anzupassen, was da kommt. Wandlungsfähigkeit muss der Möglichkeit zum direkten Umschalten weichen, denn es kann sein, dass keine Zeit bleibt sich darauf vorzubereiten, dass doch Leben (von wieder anderen Planeten) auftaucht und Austausch statt Aufbau in den Fokus rückt.

 

3) Auf dem Mars

Nach der hoffentlich sicheren Ankunft heißt es umschalten. Die Enge der (großen) Raumkapsel soll dem etwas bequemeren Leben in der Marsstation weichen. Die Umwelt verlangt sich mit ihr auseinanderzusetzen, sie zu verstehen, neue Abläufe einzuüben, sich angepasst an die Verhältnisse zu verhalten. 

 

Man braucht und sucht Entspannung und Ablenkung nach der Arbeit und/oder Forschung auf der Oberfläche. Die Menschen suchen sichere Standards, statt der Ungewissheit, sie suchen Weisheit und Inspiration um die Herausforderungen anzugehen und Probleme zu überwinden. Sie suchen Zuspruch und Halt. Sie suchen Menschlichkeit auf dem Mars.

 

HR muss die Probleme der Menschen erkennen, bevor sie sie selbst verstehen. Die gefühlte Enge des immer noch geschlossenen und etwas erweiterten Systems erfordert, dass Geheimnisse erkannt und angesprochen werden und Lösungen entstehen, bevor sich (individuellen, menschliche) Katastrophen entwickeln. 

 

Die gegenseitige Abhängigkeit, weit weg vom Mutterplaneten und die gleichzeitige Unabhängigkeit von dessen Regeln erfordert Um- und Weitsicht. Pioniergeist ist gefragt und das Ausgestalten einer sicheren Basis, in die man nach den Abenteuern und Forschungen (oder der Arbeit im Bergwerk) gerne zurückkommt.

 

Hier ist alles neu, alles kann neu gestaltet werden. Die Rahmenbedingungen sind andere und erfordern andere Herangehensweisen. Der Mars erfordert ein “reinventing everything” ein umfassendes Betrachten aller alten Lösungen, alter Glaubenssätze und Methoden. Hier darf, im Sinne einer erfolgreichen Mission, nur dass weiter bestehen, was den Beteiligten mehr Wert bietet und die Arbeit erleichtert.

 

4) Und danach?

Was bringt die Crew mit zurück? Was bezeugt die Wirksamkeit, den Sinn der Mission? Persönliche neue Erfahrungen? Nutzbringendes für “die Welt”?

 

Die Reise hat, so sie geglückt ist gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt ist, um Gefahren und Herausforderungen zu meistern. Sie hat gezeigt, wie bedeutend ein Stück Klebeband sein kann, wenn die High Tech wieder mal spinnt und warum nur ein Mensch mit diesem Klebeband die Mission retten konnte. Sie hat gezeigt, dass perfekte Zusammenarbeit dann um so leichter entsteht, wenn es Menschen gibt die sich darum kümmern, wie Guinan, Counsellor Troi oder (in gewisser Weise) C3PO.

 

Eine Erkenntnis wird sein, dass wirksame Transformationen von innen heraus, mit einem gemeinsamen “großen” Verständnis besser funktionieren, als eine zweite Rakete hinterherzuschicken. Eine andere, dass dazu alle gemeinsam an einem Seil in die gleiche Richtung ziehen sollten. Eine dritte, dass es hilft jemanden zu haben, der alle, aus jeweils sich heraus, dazu bringt sich mit voller produktiver Energie einzubringen. 

 

Eine letzte, ganz und gar nicht neue Erkenntnis wird sein, dass es wichtig ist nicht nur über die Dinge, die notwendig sind zu sprechen, sich auszutauschen und in den Dialog darüber einzutreten, was das Beste seinn könnte, sondern sie zu beginnen, zu lernen und sich und die Ansätze zu verbessern.

 

Hierin steckt die wohl wichtigste Rolle von HR bei der ganzen Mission: Netzwerke aufzubauen, die sich einbringen können und wollen, weil sie miteinander, voneinander und füreinander, ganz unterschiedliches neues Wissen entstehen lassen und in die Welt tragen wollen.   

 

Bei all dem: Ich würde weniger die Rolle von HR in den Fokus rücken, als die eines auf Steuerung statt Wirkung fokussierten Managements. Viele “New Worker” bezweifeln (mit Recht, wie ich finde) die Werthaltigkeit der alten Managementrollen und -modelle. Und doch, zugleich ist ein neues Managementverständnis absolut essenziell um die Marsmission zum Erfolg zu führen. Die Zusammenarbeit zu orchestrieren, die Rahmenbedingungen festzulegen in denen auch HR dann agieren und Wirkung zeigen kann ist und bleibt auch “nach new work”, nach der Ankunft auf dem Mars der wichtigste “Kleber”, um die Crew zusammenzuhalten. Und nur eine Crew, die 100% zusammenhält kann diese Mission zum Erfolg führen.

 

Auf dem Weg zu Mars, auf dessen Oberfläche und für die gesamte Mission ist Human Science & Collaboration wichtiger als Rocket Science!

 

Vielleicht habe das Thema dieser Blogparade verfehlt, weil ich meinen Marstraum geträumt habe.  Ich habe eine Utopie gezeigt, in der HR eine Rolle spielt. 

 

Die Kernfrage ist: Wie groß ist das Raumschiff? Ist es klein, dann hat HR keine Chance, einfach, weil Stand heute zu wenig von dem schon Standard ist, was vorauszusetzen wäre. 

 

Ist es groß, so ist es dann vielleicht doch das Raumschiff, dass Douglas Adams beschrieben hat, einfach weil, Stand heute zu wenig von dem schon Standard ist…..

  

Auch wenn in der Utopie ganz viele Ansatzpunkte für HR stecken, es gilt sie umzusetzen.(so wie der Kommunikator aus der ersten Star Trek Serie Motorola zum “StarTAC” inspiriert hat). 

 

Unabhängig ob in den nächsten Jahren tatsächlich ein Raumschiff dieser Art startet – es heißt JETZT zu starten. Es bedeutet, dass diejenigen die sich für eine solche Reise vorbereiten sich mit denjenigen die hier bleiben (wollen) austauschen, dass sie im Dialog bleiben. Und die mit Bodenhaftung müssen sich öffnen die Ideen zu reflektieren, zu adaptieren, auszuprobieren und den Mut aufbringen loszulassen zumindest mal in die Luft zu springen.

 

Denn: Wir wissen eigentlich schon eine Menge – aber tun, tun wir viel zu wenig.

    

Jede Reise zum Mars ist so unterschiedlich, wie die Menschen, die sich auf diese Reise begeben. Die einen agieren immer mit Empathie, die anderen folgen immer dem Plan, andere bringen neue Perspektiven in den Raum, um den Geist zu öffnen. 

 

Was jeder für sich daraus mitnimmt, überlasse ich in diesem Sinne den Lesern – solange, bis wir im Gespräch konkret werden und identifizieren können, was in diesem Moment, in dieser Situation tatsächlich das beste wäre.

 

Jeder Wandel geht vom Menschen aus.

HR’ler: Am Ende – nein JETZT, entscheidet ihr selbst, in welches Raumschiff ihr gesteckt werdet… Wobei, wollt ihr wirklich „gesteckt werden“, oder wollt ihr selbst die Verantwortung für eure Zukunft übernehmen?
Auch das entscheidet ihr jetzt, hier und heute. 

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