In dieser Woche wurde ich mit Nachdruck auf die Frage gestoßen, was Influencer, wie sie wirken, was sie wollen und ggf. sollen.

Hintergrund war eine “Auszeichnung”, besser gesagt eine Auswertung eines „analogen Influencermediums“, der HR-Fachzeitschrift “personalmagazin“, das eine Übersicht der digitalen HR-Influencer zusammengestellt hat. Das Resultat war für die Redaktion scheinbar sowohl erstaunlich, wie auch irritieren. So irritierend, dass der Liste – nach einigem Bekunden – noch zwei Personen vorne angestellt wurden, die “zwar nicht aus der HR-Szene stammen, aber eine hohe Reichweite für HR-Themen erzielen: Sascha Lobo und Miriam Meckel”.

Ja, und an dritter Stelle kam dann ich.

Das Menschenbild eines Influencers?

Betrachtet man die Liste der Influencer und liest man sich durch die begleitenden Artikel, so fällt auf, dass Influencer, so wie ich es wahrnehme, in den Köpfen mit Kantigkeit, Lautstärke und direkter Öffentlichwirksamkeit gleichgesetzt wurden. Zugleich werden in einem anderen Artikel drei Gruppen von Influencern beschrieben: Prominente, “Stars und Sternchen der Social Media Szene” und „Micro-Influencer“, die inhaltlich fokussiert ihr Meinung kundtun und Entwicklungen vorantreiben.

Doch scheinen trotz dieser, wie ich finde treffenden Definitionen, einige (der Mircro-)Influencer eben nicht so recht ins Menschenbild zu passen. Vielleicht, weil sie zu klein, zuleise, zu “unsichtbar” oder einfach nur zu selten in der weiterhin deutlich analog geprägten Szene sichtbar sind.

Leise stark

Das Bild der Influencer scheint geprägt zu sein, von jenen, die versuchen mit der Brechstange zu polarisieren, die mit analoger Medienmacht und/oder mit möglichst viel Öffentlichkeit ihre Botschaft in die Welt zu tragen.

Andererseits gibt es auch jene, die eine große “Gefolgschaft” versammeln, viele Zuhörer bzw. Leser besitzen, indem sie einen anderen Weg gehen. Sie sind, so wie ich sie wahrnehme, die “introvertierten Influencer”. Sie agieren im Stillen, sind zurückhaltend, besonnen, unvoreingenommen, oft unabhängig und kommunizieren in bewusst reflektierender Haltung ihre Meinung und Ideen. Sie erforschen die Tiefsee, statt die Wellen zu reiten. Sie zeigen neue Perspektive und Wege auf und zeichnen Landkarten, um andere zu animieren, ihnen auf neues Terrain zu folgen. Sie sind Though Leader, Vordenker, Querlenker und aus der Sicherheit vieler Anhänger, ja, auch Rebellen.

Mit eher leisen Tönen regen sie ihre Leser und Follower an, sich mit ungewohnten Perspektive zu befassen, sie zu durchdringen und zu reflektieren, statt sie sofort zu mögen oder abzulehnen. Sie regen an, sich selbst Gedanken zu machen, das wahrgenommene zu hinterfragen, in den Dialog zu gehen. In dieser oft Anregung die Komfortzone in Richtung neuer Erkenntnisse zu verlassen, liegt aus meiner Sicht der ganz große Wert dieser eher leisen Influencer. Der Zugewinn an Sichtweisen, der vielleicht um so mehr beeinflusst, weil er keine feste Richtung vorgibt, sondern nur anstößt sich selbst eine Meinung zu bilden. Dieser Impuls das eigene Denken wirken zu lassen ist, was die Stärke dieser kleinen, leisen, unscheinbaren, “erstaunlichen”, introvertierten Influencer ausmacht.

Nicht nur deshalb freut es mich besonders diesen, mit meiner Reichweite, eine Lanze brechen zu können.

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