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Das deutsche Grundgesetz wird 70, die alte Dame wäre heute damit längst in Rente, doch es scheint, als hätte sie uns noch immer etwas zu sagen.

Und richtig. Allein, wenn ich mir die ersten Artikel ansehe, gehen mir gleich ein paar Dinge durch den Kopf, an denen wir weiterhin arbeiten könnten und sollten.

Ich glaube fest daran, dass nicht nur Eigentum, sondern auch Unternehmertum, auch ohne Eigentum, verpflichtet. Jeder, der Teil eines Unternehmens ist beeinflusst dessen Haltungs- und Kulturmuster und nimmt damit ganz direkten Einfluss auf Haltung und Kultur in unserer Gesellschaft.

Was liegt also näher als, die Kernaussagen (zumindest) einiger grundlegender Artikel in Ihrer Wirkung in und auf Unternehmen zu beleuchten.

§1 Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Die Würde, also das Ansehen eines Menschen, nicht (s)einer Rolle oder (s)eines Amtes, steht im Vordergrund. Sie drückt sich in dem Respekt aus, den jemand erfährt.

Wer gegenseitigen Respekt in einem Unternehmen Ernst nimmt, schafft damit die Grundlage für Vertrauen und Verbundenheit. Diese beiden Werte und Haltungen sind wiederum die Basis für viele andere Werte und Verhaltensmuster, wie eine offene und raumgebende Zusammenarbeit, Transparenz und Partizipation.

 

Wirkung: Was sich als Gegenentwurf zu alten Managementlehren, die eine ordnende, planvolle, kontrollierende, umfassend informierte Instanz an der Spitze von Unternehmen sehen, darstellt, hat das Potenzial enorme Energien im Unternehmen freizusetzen. Positive Energien wohlgemerkt! Wer in einem im Wortsinn „würdevollen“ Umfeld arbeitet, engagiert sich in vielerlei Hinsicht stärker.

Natürlich gibt es, wie in jedem System die 3%-5% Störer, die über laut vorgetragene Respektlosigkeit versuchen nicht vorhandene(!) Überlegenheit darzustellen.

Unternehmen, die solche Mitarbeiter identifizieren und ihnen konsequent den Raum nehmen, schaffen und sichern damit wiederum Raum für diejenigen, die tatsächlich im Sinne des Unternehmens agieren. Sie machen damit das Unternehmen in vielerlei Hinsicht erfolgreicher. Und das nicht nur, weil sie attraktiv für neue Mitarbeiter sind, weil die Fluktuation und der Krankenstand sinken, weil die Produktivität steigt und weniger verschwendet wird.

§2 Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.

Persönlichkeiten prägen Kultur, Kommunikation, Werte und damit Zusammenleben und Zusammenarbeit. Damit könnten die freien Radikale einer voll entfalteten Persönlichkeit die Strukturen eines Unternehmens schwer belasten. Wo kämen wir hin, wenn jeder tun könnte, was ihm gerade in den Sinn kommt.

Doch sorgt die Vielfalt von Persönlichkeiten, die Diversität, gemeinsam mit dem Wunsch, sich für das Ziel der gemeinsamen Arbeit zu engagieren zugleich dafür, dass die Vielfalt sich in der Vielfalt der Antwortmöglichkeiten auf schwierige und/oder komplexe Fragestellungen widerspiegelt. Das Unternehmen wird stärker und besser darin mit den Herausforderungen der Zeit umzugehen.

 

Wirkung: Wo Persönlichkeiten sich entfalten und zugleich in der dann bestehenden Vielfalt zusammenfinden können, ist Raum für neues. Für kreative Ideen und für bewusstes und vorsichtiges Abwägen. Für forsches Voranschreiten und risikobewusstes Abwarten. Für langes nachdenken und ungestümes einfach mal machen. Das Austarieren dieser Strömungen, der Dialog über die unterschiedlichen Perspektiven und die damit aus der inneren Diversität gewonnene äußere Diversität sind mächtige Hebel, um sich in einem globalen Markt, dessen wichtigsten wachsende Ressourcen Informationen und Wissen sind, zu etablieren und behaupten.

§5 Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Wo Meinungen frei geäußert werden können, wo zugleich vielleicht sogar diese Meinungen zugelassen und gehört werden, entstehen Dialoge und Diskussionen, die dazu beitragen können,, Informationen und Wissen neu zu interpretieren. Diese Neuinterpretation, der Blick über den Tellerrand, das „wir haben es so lange immer gleich gemacht, wir probieren jetzt mal etwas neues“, schafft wiederum den Raum für die Umsetzung von Ideen und Innovation.

 

Wirkung: Wo Meinungen Raum finden, wo sich Menschen mit den Meinungen anderer auseinandersetzen können und gemeinsame sowie konträre Sichtweisen vor dem Hintergrund eines klaren gemeinsamen Ziels erörtert werden können, da entsteht Energie diese Ideen auch auszuprobieren. Oft um sie zu verifizieren, manchmal um sie zu falsifizieren. Immer jedoch um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Dieses neue, gemeinsam erworbene Wissen ist Motor und Treibstoff für möglichen neuen Erfolg. Es ist das wichtigste Kapital in einer Welt, die verstanden hat, dass ein Planet B keine Option ist und das einzige, was den Fortbestand der Menschen langfristig sichern kann, ist, die kognitive Kreativität zu verbinden und zielgerichtet zu nutzen.

 

Unternehmen sind die Keimzellen für diese Zukunft.

Das ist ein Teil, der die alten Dame „Grundgesetz“, das dazu geschaffen wurde, Menschen eine Grundlage für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen, so jung, wichtig und attraktiv macht. Vielleicht lohnt es sich doch, sie ein wenig mehr in Unternehmen zu tragen.

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