Zusammenfassung

Die Erfahrung zeigt: man sollte die großen Dinge im Auge behalten – gerade, wenn die kleinen Dinge drohen im Tagesgeschäft überhand zu nehmen und den Blick verstellen. 

Die meisten dieser Themen begleiten uns lange, andere sind neu oder derzeit einem fundamentalen Wandel unterworfen, der es notwendig macht Ansichten aktiv zu verlernen und sich neue Haltungen und neues Verhalten anzueignen. Im Kern steht dabei wegen und durch die zunehmende Technisierung der Mensch und die von ihm für sich und das Unternehmen wahrgenommene Bedeutung. 

 

 

Es ist immer das gleiche Spiel, wenn ich mit Unternehmen in den Dialog über den besten Weg in ihre Zukunft starte. Es ist klar, dass eine massive Veränderung auf sie zukommt und zugleich okkupiert das Tagesgeschäft den Kalender zu 100%. Die Zeit um auch nur in ausreichender Tiefe zu klären wohin die eigenen Reise gehen soll, was DAS große Ding ist, dass als Fokuspunkt dienen könnte fehlt oft.

 

Kein Wunder, kommen doch täglich – auch auf diesem Kanal – buchstäblich hunderte Beiträge zu allen möglichen Facetten eines drohenden, kommenden, notwendigen, unvermeidlichen Wandels. Und alle proklamieren (natürlich), dass ihr Thema DAS wichtigste ist.
Sowohl die Vielfalt als auch die jeweilige fachliche Tiefe sind dabei absolut berechtigt, denn schon lange gibt es keine Veränderung mehr – in unternehmerischen (oder gesellschaftlichen) Systemen – die ohne entsprechende Expertise angegangen werden sollten. Zu vielfältig sind die Verflechtungen, zu unübersichtlich die Folgen. Und dennoch… Wann haben Sie zuletzt einen Impuls erhalten selbst (angeleitet oder frei) über DAS große Ding, das Sie persönlich und das Unternehmen und die Aufgabe in den nächsten Jahren prägen könnte nachzudenken?

 

Wenn Sie sich 10 Minuten Zeit nehmen, dann schenke ich Ihnen einen (oder wohl eher ein paar) Impuls(e).

 

Wobei ich Sie schon jetzt um Nachsicht bitte. Ich werde Worte, wie Kultur und Werte oder auch Sinn, benutzen, die vielleicht einige, die sich in traditionellen Unternehmensstrukturen ihre Sporen verdient haben und Karriere gemacht haben, indem sie klar nach Management by Objectives geführt und auf die optimale Erreichung von KPI’s geachtet haben, abschrecken könnten. Abschrecken, weil es den Anschein haben könnte, dass es an ökonomischem Einfluß fehlt, abschrecken, weil es schließlich um den Erfolg und nicht um anthroposophisches Gutmenschentum geht. Die Krux: Der harte ökonomische Erfolg der Zukunft – und das sage nicht ich, dass zeigen die Unternehmen die sich dieser Themen bereits angenommen haben und alle aktuellen Studien zu dem Thema – entspringt den klassisch „weich“ wahrgenommenen Themen. Das ökonomische Pendel schlägt gerade zurück – wobei noch nicht absehbar ist, welche tiefen gesellschaftlichen Veränderungen diese Besinnung auf das früher Undenkbare mit sich bringt.

 

Zweiundvierzig

Also, was ist es denn nun – DAS große Ding?
Die Frage ist so einfach zu beantworten, wie ihre Antwort komplex ist. Douglas Adams hat nicht umsonst die Antwort „42“ für eine (wahrscheinlich) ganz ähnliche Fragestellung gefunden.

Es geht – das ist nichts Neues – darum, „das Beste“ für sich selbst, das eigenen Leben und das Unternehmen, dass dieses Leben in dieser Form (mit) ermöglicht zu finden. Es ist damit die Frage danach, was für den Einzelnen wichtig und richtig ist, und gleichzeitig was die die Organisation, die Gemeinschaft das wichtig(st)e und richtig(st)e ist. Die Notwendigkeit der Kongruenz dieser beiden Punkte ergibt sich ganz banal aus unseren menschlichen Wesenszügen. Wir sind soziale Egoisten. Wir sind uns selbst die Nächsten und zugleich tief verwoben in unser soziales System. In ein System mit komplexen Strukturen und Abhängigkeiten. Wir sind in zwei ebenso komplexen wie dynamischen ökonomischen uns sozialen System zugleich zuhause. Sie bilden ein neues offenes  System in dem echter Erfolg sich nur noch als Gemeinschaftsleistung darstellen lässt.

Die Themen der Zukunft 

So sehr die Welt, gerade heute, an einem Scheideweg zu stehen scheint… Unser großes Ziel kann und muss es sein, die eigene Überlebensfähigkeit zu sichern – persönlich, in unseren Unternehmen, in unserer Gesellschaft. Egal, in welchem Zeithorizont wir dabei denken, ob wir selbst noch 10, 20 oder 40 Jahre leben möchten. Spätestens heute und jetzt müssen wir uns mit den Themen ökonomische und insbesondere auch ökologische Nachhaltigkeit befassen. Der Earth Overshoot Day ist jedes Jahr früher.
Um gemeinsam weiter zu kommen brauchen wir mehr aktive und zielgerichtete Zusammenarbeit. Wir müssen am gleichen Strang ziehen und dies zudem in die gleich Richtung! Damit gehören Elemente wie Transparenz und Partizipation, Offenheit und Diversität, Kreativität und Innovation mit auf die Liste der Dinge, auf die wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit lenken sollten.
Damit beginnt DAS große Ding der (Arbeits-)Gemeinschaft schon zu zerfasern, sich in 100 Themenbereiche aufzuteilen, die dem einen wichtiger sind als dem anderen, und damit doch zugleich für viele Relevanz besitzen.

Was ist der Wert, wie Transparenz, Partizipation, Respekt, Toleranz, Kreativität oder Innovation der Sie dazu bringen würde Ihre Stimme zu erheben, sollte ihn jemand Ihnen rauben wollen? 

Menschen > Wissen >> Lernen

Zeit aus einer anderen Perspektive auf das Thema zu blicken. Denn DAS große Ding kann eigentlich doch, trotz und wegen dem bereits geschriebenen, nur eines sein: Der Mensch! Also jeder Einzelne von uns, also vor allem ICH, nein SIE !

Ich, nein Sie – wir gestalten unsere Zukunft aus und durch unser Wissen, unserer Erfahrung unserer Wahrnehmungen und Erlebnisse. Kurz aus dem was wir gelernt haben und immer wieder dazulernen. Aus dem Neuen und in der Verbindung mit dem Alten.

Hier wird es spannend, denn die Welt, mit ihren technologischen und gesellschaftlichen  Entwicklungen (zu beidem zähle ich übrigens die Art wie wir (einander) in Unternehmen führen), erfordert von uns nicht nur neues zu lernen, sondern vor allem auch altes bewusst zu VERlernen. Wir müssen uns Verhalten und Haltungen immer schneller an- und abgewöhnen. Ohne persönliche Klarheit und Reflexionsfähigkeit ist das unmöglich. Das ist aus meiner Sicht einer der wesentlichsten Auslöser für den immer lauter werdenden (und teilweise eben auch – wie ich finde – berechtigten) Ruf nach mehr Coaching und Mentoring/Begleitung in der Führung.
Nur, wenn es uns gelingt bewusster und gemeinsamer zu lernen und zu verlernen, werden wir das neue Wissen nutzen können, ohne uns vom alten Wissen bremsen und verwirren zu lassen.

Alles braucht unserer Sinn

Wer Motivation nicht nur an der wöchentlichen Kiste Bier oder der jährlichen Bonus festmacht (was Sie nicht tun, sonst wären Sie aus dem Text längst ausgestiegen), dem ist klar, dass die Motivation unser (Arbeits-)Leben „echt zu rocken“ vor allem auch daraus entsteht, dass wir unserem Tun einen Sinn zumessen. Wir wollen verstehen, begreifen, fühlen und am Ende auch erkennen, wie wir zum Ziel einer Organisation beitragen. Das nicht greifbare und doch so wichtige Gefühl tief in uns zu wissen, dass jede Sekunde Lebenszeit uns zwar unserem Ableben näher bringt, aber diese Sekunde doch zugleich sinnvoll investiert (werden kann) ist und war schon immer DAS große Ding. Und doch – so zeigt es die messbare und immer wider in Studien aufgezeigte Unzufriedenheit – fehlt dies Verknüpfung von individueller und gemeinschaftlicher Sinneswahrnehmung im Arbeitskontext noch immer zu häufig.

Wie kann es gelingen, DAS große Ding im Auge zu halten?

So divers es auch sein mag, es kann durchaus gelingen – im persönlich Individuellen, wie aus Sicht einer Arbeitsorganisation  – DAS große Ding geeignet zu verankern.

Dazu könnten sechs Bereiche dienen, mit denen wir zeitgemäß(er) und zukunftsorientierter umgehen sollten. In diesen Bereichen lohnt es sich nach den besten Möglichkeiten und neuen Chancen, aber auch nach den den wenigsten Störungen und Hemmnissen zu suchen.

  1. Menschen
    Suchen Sie nach den „besten“ Menschen – in der Organisation wie ausserhalb – deren Sinn, deren Werte und deren Ziele zu ihren bzw. denen der Organisation passen. Aber Vorsicht: „Die besten“ können auch gerade die sein, die sie besonders herausfordern, die anders denken, und die gerade damit neue Möglichkeiten aufdecken.
    In Unternehmen bedeutet dies zudem zu fragen, wie sich Aufgaben und Rollen so gestalten und verteilen lassen, dass jeder tatsächlich maximalen Erfolg hat und einbringt? Was ist der Sinn Ihres Lebens?
  2. Werte, Normen & mentale Modelle
    Die (vor-)gelebten Werte, Normen und mentalen Modelle sind die Kultur und sie prägen sie. Es lohnt sie immer wieder in Dialogen zu thematisieren, zu betrachten, zu hinterfragen, zu eliminieren oder zu verstärken.
    Welche Normen und mentalen Modelle haben Sie in sich verankert? Welche davon nützen Ihnen, welche behindern Sie? Welche lassen sich bestätigen, welche passen (heute) nicht (mehr) in Ihre Welt?    
  3. Lernen
    Heute übersteigt die Menge an verfügbarem Wissen unsere Vorstellungskraft – und sie entzieht sich jeder Beherrschbarkeit durch Einzelne. Wissen ist in sinnvollem Umfang nur noch gemeinsam nutzbar.
    Wie Sie Wissen in der Organisation lernen und verlernen ist ausschlaggebend dafür, wie sie gemeinsam mit zunehmender Komplexität und Dynamik umgehen können.
    Wie lernen Sie und vor allem, wie schaffen sie es Dinge zu verlernen? Wo und wie lernen sie von anderen und wie und wo lernen andere von Ihnen?
  4. Führungs- & Managementsysteme
    Wer in Managementsystemen aus dem 19. Jahrhundert denken und leben muss, kann nicht ins 21. Jahrhundert aufschließen. Durch ggf. notwendige Hierarchien oder Kompetenzhubs ergänzte Netzwerkstrukturen lassen intensivere und den externen Anforderungen besser entsprechende und damit erfolgreichere Zusammenarbeit zu, als frühere Architekturen. Doch sie erfordern eine, zum alten Verständnis fast diametral entgegengesetzte Art der Führung und der Kommunikation.
    Wieviel Raum hat Führung bei Ihnen? Wieviel Raum brauchen, Sie um sich gut geführt zu führen, ohne eingeengt zu sein? Wie sieht ein System aus, dass sie begeistert?
  5. „Digitalisierung“ und Technologie
    Technik begleitet uns in die Zukunft. Zugleich verändert sie sich und uns, und sie treibt uns. Wir können gar nicht anders als – trotz des ständigen Beta-Status und trotz allgegenwärtiger Technologieübergänge – uns in den für uns relevanten Bereichen up to date zu halten. Doch, das ist die Kunst, dies bewusst und nicht überfordernd.
    In welchen Techologiebereich sehen Sie sich in der Zukunft? Was wollen Sie ausprobieren? Was werden Sie nutzen?
  6. Der Weg der Transformation
    Halten Sie nach dem Weg (für sich) Ausschau, der den Ausbruch aus dem Komfortbereich fordert und zugleich nicht zur Panik führt. Der Weg, der Sie voranbringt bedeutet zugleich Sicherheit, Stabilität, Abenteuer und Wagnis. Er geht sich gemeinsam leichter als allein. Doch sollte die Führung wechseln, denn jeder hat andere Grenzen und Kompetenzen. Wenn sich diese ergänzen ist DAS große Ding einfach schneller in Reichweite.
    Wer soll Sie auf dem Weg begleiten? In welche Richtung wollen Sie gehen? Wie schnell wollen und können Sie die Zukunft zu Ihrer Gegenwart werden lassen? 

In Summe geht es damit die eigene Bedeutung – als Mensch und Organisation und für sich selbst und die Gemeinschaft  zu (er)kennen und (aus) zu leben. 

Was ich hier tatsächlich nicht anbieten kann, weil es in dieser Form nicht existiert, ist das Modell, nach dem sich diese Bereiche entwickeln sollten, damit Sie persönlich und „ihre“ Organisation DAS große Ding finden und stemmen können. Auch wenn der Rahmen sich ähnelt, der Weg ist, so sehr er sich ähneln mag, immer auch grundverschieden. So grundverschiedenen wir die Menschen, die Aufgaben, die Ziele und nicht zuletzt auch die Werte sind, die die Organisation prägen.
Und ich kann Ihnen auch nicht anbieten, dass das alles ganz einfach ist. Allerdings ist es sicherlich einfacher als „einfach“ abzuwarten und zu schauen was passiert. Denn dann wird man unweigerlich zum getriebenen – und das war noch nie eine gute Rolle.

Und ich kann Ihnen auch nicht anbieten, dass einzelne Gruppen oder ganze Unternehmen von jetzt auf gleich, plötzlich und unvermittelt loslegen. Die Zukunft zu gestalten ist zwar längst nicht mehr Chefsache, aber der Impuls muss fast überall noch immer von „oben“ kommen. Wenn Sie also „Chef“ sind: legen Sie los, gehen Sie in die Teeküche und starten Sie den ersten Dialog zu einem der Themen.
Eines allerdings biete ich gerne an: Reflektieren Sie für sich die Fragen, die dieser Text bei Ihnen aufgeworfen hat, denn die gute Fragen sind er erste Impuls zu guten Antworten. Und lassen Sie sich auf weitere Fragen ein! Fragen von Menschen aus Ihrem Umfeld, oder von Begleitern wie mir. Vielleicht glauben Sie wie ich, dass kaum etwas anderes sich mehr lohnt, als die eigenen Zukunft so aktiv wie möglich (selbst) zu gestalten.

 

Fazit

Klar könnten Sie abwarten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind drei Geschwister, die sich zwar nie begegnen, aber unerschütterlich eng miteinander zusammenhängen. Wir können dem was kommt nicht entfliehen. Aber wir können – heute vielleicht mehr denn je – Zukunft gestalten. Nie gab es mehr Chancen, nie gab es mehr Einflussmöglichkeiten – doch auch nie gab es mehr Ablenkung. Wagen Sie dennoch den Versuch sich immer wieder auf ein paar Dinge zu fokussieren. Trotz Komplexität, Dynamik, Unsicherheit und all den übrigen kleinen und großen Störfaktoren.

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