Komplexität – alles „nur“ individuelle Wahrnehmung

Mein Freikopfler Kollege Heiko Barlog hat mich eingeladen ein paar Gedanken zum Thema Komplexität zur Blogparade des PM Camp Berlin beizusteuern. Hier das Ergebnis:

Ohne mich jetzt aufs dünne Eis zu begeben und zu versuchen das offensichtliche zu tun und mich an einer Definition von „komplex“ zu versuchen (das ist mir bei dem schönen Wetter zu kompliziert) falle ich hier jetzt gleich mal eine Ebene tiefer.

Ich glaube in vielen Fällen stellt sich weniger die Frage, was und wie Komplexität sich (aus-)wirkt, als die, warum wir etwas als komplex ansehen. Jenseits aller Definitionen ist Komplexität für mich etwas sehr individuelles. Beispiel: Dieser Text. Die Aneinanderreihung von Buchstaben ist zunächst „nur“ kompliziert – manchmal überfordert mich allerdings auch schon das und ich beginne Blechstaben zu verwuchseln. Die Kompliziertheit steigert sich dann ins komplexe, wenn ich versuche beim Schreiben (neue) Gedanken in Worte zu fassen. Hier kommt dann zur Kompliziertheit die Gefahr hinzu, mich nicht nur verdrückt auszukehren, sondern auch gleich noch den roten, blauen oder grünen Faden zu verlieren. Für mich – je nach Tagesform – ein komplexes Unterfangen.

Komplexität ist, was wir daraus machen

„Komplexität“ ist neben dem Fakt, dass ein Geschehnis nach teilweise chaostheoretischen Mustern unterschiedlichen Ergebnisse haben kann, zu einem großen Teil auch unserer Wahrnehmung geschuldet. Unser Wissen, unsere Erfahrung, kurz unsere Kompetenz beeinflussen stark, als wie komplex wir eine Situation wahrnehmen, bzw. ob wie sie überhaupt als etwas schwieriges empfinden.

In der (Projekt-)Gruppe kommt ein weiterer komplexer Punkt hinzu. Wir können noch immer nicht Gedanken lesen – und auch bei Emotionen und Wahrnehmungen tun wir uns schwer. Wir sind in unseren Kompetenzen häufig zu unterschiedlich, um gleich auf unsere Umwelt und die Ereignisse in dieser zu reagieren. Leider wird dies in vielen Führungssitutationen negiert und versucht eine einheitlich objektive Sicht zu entwickeln. Doch – auch aus noch so vielen subjektiven Perspektiven lässt sich nie eine objektive zusammenbauen.

Auslegeordnung

Eine Möglichkeit um in „allgemein als komplex wahrgenommene Situationen“ dennoch einen Ansatzpunkt für Lösungen zu haben ist, sich auf das “kgV” einzulassen, das „kleinste gemeinsame Verständnis“. Das gibt Raum, um von diesem Startpunkt aus die verschiedenen Perspektiven zu betrachten – und ggf. das zu machen, was die Schweizer eine „Auslegeordnung“ nennen -, um dann hoffentlich das Big Picture zu erkennen und Lösungen abzuleiten, die sowohl dem Problem als auch den Problemlösern gerecht werden. Mehr ist selten möglich.
Das schafft nicht nur Raum, sondern hilft auch die vielen kleine Schritte zu identifizieren, die auch komplexe Situationen ein bisschen lösbarer erscheinen zu lassen – wenn man sich dennoch auch auf Irrtümer einlassen kann – aber das ist ein anderen komplexes Thema.

P.S. Wenn’s doch mal zu komplex wird. Wir Freikopfler bringen ganz gezielt neue Perspektiven ein, so dass sich manches komplexe Problem in wohlgefallen auflöst. Einfach mal ausprobieren 🙂

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