Wertschätzung ist – neben allen Buzzwords – wohl eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Sie geht einher mit so zentralen Werten wie Vertrauen und Verbundenheit, aber auch mit Mut und (als dessen Zwilling) Verletzlichkeit. Wer Wertschätzung empfangen darf, der hat etwas getan, das anderen hilft, oft ohne das eigene Tun zu sehr im Blick zu halten.

 

So ergeht es mir gerade mit der Auszeichnung als #LinkedinTopVoice 2018. Schon auf der 2017er Liste gestanden zu haben, hat mich mit Freude und Ehrfurcht erfüllt. Es in diesem Jahr noch einmal geschafft soviel Resonanz zu erhalten und meinen Kontakten, Follower und Lesern so werthaltige Angebote gemacht zu haben, ist etwas, was mich sehr anrührt. Insbesondere, da beide Auszeichnungen nicht Ziel meiner Arbeit waren.

 

Die Analyse des Feedbacks meiner Leser auf meine Artikel zeigt ein sehr eindeutiges Muster: Es sind die „Sehnsuchtsorte“ inmitten des Arbeitsalltags, die meine Leser bewegen. Es sind die Beiträge, in denen ich aufzeige, an welchen Stellen Führung und Management durch meist kleine Impulse, deutlich positivere Wirkung zeigen und damit auch das Engagement der Mitarbeiter verbessern könnte. Es sind die Texte, die ein Level weiter hineingehen und Chancen aufzeigen, wo heute oft Mutlosigkeit und Resignation vorherrscht.

 

Dabei geht es mir wie vielen Kollegen aus meinen Netzwerken, die sich um die Mitarbeiterebene zu kümmern scheinen, aber eigentlich den Wandel auf der Managementebene im Fokus haben. Wir begegnen auf diesem Weg immer wieder zwei Stolpersteinen: Zum einen besteht die Gefahr von potenziellen Auftraggebern als Beraterquerulant wahrgenommen zu werden. Schließlich stachelt man in gewisser Hinsicht die Mitarbeiter auf und bringt Ideen in die Köpfe, die es ohne uns ggf. nicht gäbe.

 

Zum anderen kann der Anschein entstehen, dass Entwicklungen vor allem auf der Managementebene notwendig seien und die Mitarbeiter sich (weiter) entspannt zurücklehnen könnten – Hauptsache die da oben machen mal.

 

Die erstgenannte Kundenperspektive ist nachvollziehbar, wenngleich ich eine ganz andere Intention habe – denn alle Texte sind auch immer an als Reflexionsimpuls an das Management gerichtet. Der zweite ist schlichtweg falsch, den der Wandel unserer Arbeitswelt ist allumfassend, er betrifft jeden, ohne Ausnahme!

 

Die wohl dankbarste Rolle, die wir „Neue Arbeitswelt-“, „Agilitäts-“ und zuweilen auch „Digitalieierungskultur-Berater“ einnehmen (können), ist die eines Brückenbauers.

 

Mit dem, was wir an Impulsen in über Plattformen wie Linkedin in die Netzwerkwelt und in die Unternehmen tragen, haben wir sehe vor allem eines im Sinn: Den Graben zwischen Management und Mitarbeitern, zwischen oben und unten, zwischen Theorie und Praxis, zwischen der Tayloristischen Hand und dem Kopf, zu überwinden. Es geht darum, für ALLE GEMEINSAM den Rahmen für eine re-motiviere Zusammenarbeit (wieder) so zu gestalten, dass sowohl der Sinn, die Freude als auch der Erfolg voll zur Geltung kommen können. Wie arbeiten dazu zwischen den Traditionen und den Möglichkeiten, zwischen Last und Lust und zwischen Hierarchie und Netzwerk.

 

Die Rolle ist vielschichtig und schwierig, insbesondere, wenn sie man versucht damit sein täglich Brot zu verdienen. Denn man ist eben nicht der „Darling“ des Kunden, man zeigt die Probleme und Lücken (manchmal zu aktiv) auf, man macht zugleich zu deutlich wo vermeintliche Versäumnisse vorliegen und Chancen ungenutzt bleiben. Wir rühren damit sehr aktiv an der Verletzlichkeit und der Angst derer, die Ihre Position als Lebensziel lange erarbeitet haben, und nun um diesen Lohn der Arbeit fürchten. So mancher Kunde hat die zunächst angedachte Zusammenarbeit aus solchen Gründen schon dankend abgelehnt.

 

Dabei – und das ist das so unglaublich spannende: wer sich darauf einlässt, erhält die Gelegenheit etwas ganz anders WAHRzunehmen. Die Auftraggeber, die mit dem Bewusstsein in ihre Veränderung starten, dass sich zwar Aufgaben und Rollen verändern, am Ende aber für alle die Verheißung eines positiveren, stärker zufriedenstellenden Arbeitsumfeldes winkt, erleben auch genau diesen Wandel.

 

Das jedoch bedeutet sich von den Dogmen einer (alten, verstaubten) Ausbildung zu lösen und Führung, Leadership und Management in einer neuen, umfassenderen Dimension kennenzulernen. Es bedeutet, sich vom alten Denken zu lösen, von dem Denken, dass die Probleme (mit) verursacht hat, um in einem neuen Denkrahmen auch neue Wege zu entdecken.

 

Doch den neuen Denkrahmen zu beschreiben, ihn fassbar zu machen, ist schwierig – für ALLE Beteiligten. Denn es gibt sie leider noch immer nicht: die Blaupausen und kopierbaren Vorbilder, auch wenn es gute, valide Beispiele dafür gibt, wie erfolgreich ein Reframing von Management sein kann. Denn ohne diesen Schritt wären die Spotifys, die Buurtzorgs, die W.L.Gores, die Morningsstars, die … vielen, vielen nicht da wo sie sind: Hervorragend in ihrem Markt positioniert. Und doch gibt es auch die anderen, die, die Angst machen, die Unbekannten, die es eben (vielleicht) doch nicht geschafft haben sich so nachhaltig zu wandeln. Wie groß die Dunkelziffer ist, weiß wohl tatsächlich niemand.

 

Aber welche Option bleibt? Ist die Option auszuharren, zu warten bis der Leidens- und Wettbewerbsdruck endlich groß genug ist, der bessere Weg? Ist scheitern dann leichter, wenn es unter immensem Druck stattfindet? Die Frage muss sich jeder Unternehmensverantwortliche am Ende selbst stellen.

 

Ja, es ist unbequem solche Fragen gestellt zu bekommen. Vielleicht beruhigt es, dass zur Rolle eines guten Brückenbauers auch immer die des Statikers gehört. Des Experten, der penibel darauf achtet, dass auch unter maximaler Last, die Stabilität und Sicherheit einer Organisation noch gewährleistet ist. Es ist seine Verantwortung die Brücke nur dann zu bauen, wenn sie tragfähige Fundamente aufweist. Alles andere wäre fahrlässig.

 

Wie alle neuen Brücken, so brauchen auch diese Zeit um zu erstehen. Zeit, die wenige Unternehmen sich nehmen wollen und die noch wenigere haben. Die Versprechen eines schnellen Wandels sind verheißungsvoll, erscheinen leichter, ehrlich sind sie jedoch selten. Denn der Wandel (be)trifft Menschen. So anpassungsfähig die Spezies Homo Sapiens, der vernünftige Mensch ist, so lange braucht er um Gewohnheiten und Ängste zu entlernen und zu überwinden. Dieser Prozess des los- und hinter-sich-lassens ist der langwierigste und nervenaufreibendste auf den Unternehmen sich einlassen (müssen), wenn sie sich auf die Zukunft einstellen wollen. Er ist es, der am meisten Hemmungen erzeugt. Und doch ist er unausweichlich, wenn Zusammenarbeit eine wirklich zeitgemäße neue Basis finden soll.

 

So freue ich mich über die erneute Auszeichnung zum TopVoice2018 und wünsche mir, dass immer mehr den Mut finden, den Weg, den ich aufzeige, auch (mit) zu gehen. Denn auch wenn mein Rufen in der Wüste Gehör findet, grün wird die Wüste nur dann, wenn wir gemeinsam (neue) Wege finden und es gelingt unsere Energien zu bündeln

.

In diesem Sinne: Danke & Ich zähle auch in Zukunft auf Sie als Kontakt, Follower, Leser, Auftraggeber und Weltveränderer!

Die vollständige Liste der LinkedinTopVoices 2018 finden Sie hier. Gehen Sie Sie durch und vernetzen oder folgen Sie auch den anderen Ausgezeichneten. Ich verspreche, es lohnt!

Leave a comment